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Ein Besuch im Bamberger Natursteinwerk

Ein Besuch im Bamberger Natursteinwerk

Der Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt ist in vollem Gange. Doch nicht nur auf der Baustelle zwischen Dom und Römer wird fleißig gearbeitet – auch in mehreren Handwerksbetrieben laufen die Vorbereitungen zum Bau der 35 Altstadthäuser.

So zum Beispiel im Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser. Unter den geübten Händen der Steinmetzen entstehen dort Schmucksteine, Figuren, Brunnen und Säulen, die ihren Platz in den Fassaden und Höfen der neuen Frankfurter Altstadt finden sollen. Bei einem Besuch des Bamberger Werks konnten wir den Handwerkern über die Schulter schauen und Tuchfühlung mit den Steinen aufnehmen, die der Altstadt später wieder ihr typisches Gesicht verleihen werden.

„Zurzeit entstehen bei uns die Steinmetzarbeiten für die Goldene Waage, das Goldene Lämmchen und das Haus Klein Nürnberg“, erklärt Geschäftsführer Martin Graser. Er führt uns über das 30.000 Quadratmeter große Werksgelände, auf dem Steine und Rohblöcke in den verschiedensten Formen und Farben lagern. „Uns gehören 21 Steinbrüche, aus denen wir die Steinsorten für die Rekonstruktionen gewinnen.“ Das geschieht durch Sprengungen und den Einsatz großer Sägen, die bis zu sechs Meter hohe Blöcke aus dem Berg schneiden können. Diese werden auf Lastwagen ins Werk gefahren, wo sie weiter verarbeitet werden, zuerst maschinell, dann von Hand. „Es ist wichtig, dass sich unsere Steinmetze auf die filigraneren Arbeiten konzentrieren können“, erklärt Rudolph Spangel, der als Projektleiter im Bamberger Werk für die Altstadt-Arbeiten zuständig ist. „Wenn wir die Blöcke erst von Hand in Form bringen müssten, würde das viel Zeit und Energie kosten, die wir so für die Detailarbeit einsetzen können.“ Für das DomRömer-Projekt werden sechs verschiedene Natursteine verwendet: Dietenhaner, Kirschfurter und Röttbacher Sandstein sowie Fränkischer Muschelkalk, Belgischer Blaustein und Carrara Marmor.

Die Abläufe im Werk wirken gut einstudiert: Gabelstapler fahren über das Gelände, große Kräne heben die Rohblöcke aus den Steinbrüchen milimetergenau in Position. Riesige Kreissägen, mit Diamanten besetzt, fressen sich langsam in das Gestein, um ihn in die gewünschte Größe zu schneiden. „Wir dürfen die Drehzahl nicht zu hoch setzen, sonst gäbe es eine ungleiche Schnittkante“, erklärt Spangel weiter. „Die Arbeiter haben langjährige Erfahrung und arbeiten oft rein nach Gehör, wenn sie die Geschwindigkeit der Säge bestimmen.“ Über das Sägeblatt fließt permanent Wasser, damit es nicht zu heiß wird. Das Werk besitzt eine eigene Kläranlage, wo pro Stunde 120.000 Liter Wasser umgewälzt werden. Das vom feinen Steinsand gereinigte Wasser gelangt zurück in den Kreislauf, sodass nur wenig Wasser verloren geht. Insgesamt gehört das Plätschern von Wasser zum Arbeitsalltag der Bamberger Handwerker: „Wir nutzen es auch, um der Luft den Staub zu entziehen, der an vielen Stellen im Werk entsteht“, erläutert Firmenchef Martin Graser. Zusammen mit großen Absauganlagen wird so dafür gesorgt, dass der feine Staub nicht in die Lunge gelangen kann. „Das war früher ein großes Gesundheitsrisiko unserer Zunft, ist aber durch die moderne Technik heute kein Problem mehr“.

Ebenso modern geht es in der nächsten Halle weiter: Dort bearbeiten Roboter die zurecht gesägten Steinblöcke. „Es gibt in Deutschland fünf Roboter für die aktive Steinbearbeitung. Drei davon stehen bei uns in Bamberg“, sagt Geschäftsführer Graser. Die Roboter übernehmen die Vorarbeiten für die Steinmetze. Aktuell entstehen so auch die Fensterbänke für das Berliner Stadtschloss, an dessen Rekonstruktion die Bamberger Firma ebenfalls mitwirkt.

Im dritten Produktionsschritt kommt es schließlich auf das Fingerspitzengefühl der menschlichen Steinmetzen an. In oft wochenlanger Kleinarbeit bringen sie den Stein in seine endgültige Form. Steinmetz Alexander Pflaum beispielsweise arbeitet derzeit an einer Konsole für das Goldene Lämmchen. Vor sich den Sandsteinblock, blickt er immer wieder neben sich – auf ein originalgetreues Modell aus Gips. „Das ist die übliche Vorgehensweise“, erklärt Projektleiter Rudolph Spangel. „Wenn wir den Auftrag zur Rekonstruktion eines Elements bekommen, fertigen wir anhand der vorliegenden Quellen, beispielsweise alten Fotografien, ein Modell an. Das stimmen wir mit dem Bauherren oder Architekten ab. Jede Rekonstruktion ist immer auch eine Interpretation und sieht bei jedem Steinmetz ein Stück weit anders aus. Das ist durchaus gewünscht, weil es früher ja genauso war und nur so der alte Stil auch heute noch entstehen kann. Wenn das Modell fertig modelliert ist, spricht man sich über Details ab, etwa wie genau schmückende Blätter geformt sein sollen. Danach beginnt die Arbeit am echten Stein. Für die Rekonstruktionen an den drei Altstadt-Gebäuden werden rund 200 Tonnen Naturstein verwendet, das entspricht zehn LKW-Ladungen.“ Für Martin Graser und Rudolph Spangel ist es ein gutes Zeichen, dass es immer noch Lehrlinge gebe, die das Handwerk erlernen wollen. „Trotz aller Maschinen und Erleichterungen, die die Technik mit sich gebracht hat – bei der Feinarbeit kommt es auch heute noch auf das richtige Gefühl für das Material und die spätere Form an. Da ist es wichtig, dass die jungen Leute das bewusst wollen, und sich auch die Zeit nehmen, diese Erfahrungen zu sammeln.“

Die Arbeiten für die „Goldene Waage“, das „Goldene Lämmchen“ und das Haus „Klein Nürnberg“ bilden den Auftakt zu den Steinmetzarbeiten. „Wir haben diese drei Projekte bewusst zuerst ausgeschrieben“, erklärt DomRömer-Projektmanager Patrik Brummermann. „Wir benötigen sie gleich zu Beginn der Bauarbeiten an den 35 Altstadthäusern.“ Für die insgesamt 15 Rekonstruktionen würden weitere Figuren und Konsolen benötigt, die ebenfalls bald in Auftrag gegeben würden. Besonders freut sich Patrik Brummermann darüber, dass gerade die Baugenehmigung für das Gesamtprojekt erteilt wurde. „Damit steht fest, dass wir alle Auflagen erfüllt haben, die Hochbauarbeiten können wie geplant im Herbst beginnen.“

Eine Bildergalerie mit weiteren Fotos unseres Besuchs finden Sie hier.

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