Treppauf, treppab: Nahe Miltenberg entsteht die 70-stufige Treppe der „Goldenen Waage“

Treppauf, treppab: Nahe Miltenberg entsteht die 70-stufige Treppe der „Goldenen Waage“

Teil des Wiederaufbaus der Frankfurter Altstadt ist die detailgetreue Rekonstruktion der „Goldenen Waage“ im Südosten des Areals, welche ursprünglich von dem niederländischen Glaubensflüchtling Abraham von Hameln errichtet wurde. Der gut betuchte Zuckerbäcker und Gewürzhändler ließ das vierstöckige Gebäude bis zum Jahr 1619 für sich und seine Familie errichten. Charakteristische Merkmale wie das prachtvolle Fachwerk in den oberen Geschossen sowie die aufwendigen Steinmetzarbeiten an der Fassade machten die Goldene Waage bereits damals zu einem der bekanntesten Häuser der Altstadt und zu einer Sehenswürdigkeit für viele Besucher der Stadt.

Besonderheit im Innern: der Treppenturm

Außer dem detailreichen Fachwerk und den Steinmetzarbeiten an den Fassaden, über die wir in der Vergangenheit berichtet haben (siehe die weiteren Reportagen auf dieser Seite), beherbergt die Goldene Waage eine weitere architektonische Besonderheit: Die beiden Gebäudeteile werden von einem durchgängigen Treppenturm mit insgesamt 70 Stufen aus rotem Mainsandstein verbunden. Wegen der unterschiedlich großen Podeste an den Abzweigungen ins Gebäude handelt es sich bei jeder Stufe um ein handwerkliches Einzelstück, das mit größter Sorgfalt und Präzision bearbeitet wird.

Sämtliche Steinmetzarbeiten an der Goldenen Waage werden von der Firma Franz Zeller aus Umpfenbach nahe Miltenberg koordiniert. In ihrem Werk entstehen derzeit die 70 Treppenstufen für den Turm. Das Unternehmen feiert in diesem Jahr 125-jähriges Bestehen und hat bereits bei der Rekonstruktion und Sanierung anderer historischer Gebäude mitgewirkt, beispielsweise dem Schloss Thurn & Taxis oder der Festhalle in Frankfurt. „Wir betreiben vier eigene Steinbrüche in Dietenhan, Ebenheid, Eichenbühl und Kirschfurt. Von dort stammt der rote Mainsandstein, den wir für die Treppen der Goldenen Waage verwenden“, erklärt Geschäftsführer Dieter Braun, selbst ausgebildeter Steinmetzmeister und Steintechniker. Gemeinsam mit seiner Frau Martina Zeller-Braun hat er den Betrieb 2009 von seinen Schwiegereltern übernommen und rund eine Million Euro in moderne Maschinen investiert, um auch größere Aufträge annehmen zu können.

Genaue Planung für gleichmäßigen Tritt

„Die Rekonstruktion der Goldenen Waage ist für uns ein ganz besonderes Projekt“, so Braun weiter. Die Zusammenarbeit mit der Firma Graser, die an den Fassaden arbeitet, der DomRömer GmbH und nicht zuletzt auch mit dem Architekten der Rekonstruktion, Prof. Jochem Jourdan, sei sehr produktiv. „Wir können hier unser ganzes Know-how in der Steinbearbeitung einbringen.“ Dies ist auch nötig: Die wegen der Podeste unterschiedlich großen Stufen müssen den Besuchern trotzdem ein einheitliches Schrittgefühl geben und auch von unten gleichmäßig aussehen. Um dies zu erreichen, ist eine genaue Planung gefordert. „Von der ganzen Treppenanlage wurde eine CAD-Zeichnung erstellt, daraus haben wir dann Werklisten für die Fertigung vorbereitet sowie Schablonen aus wasserfestem Material.“

Anhand der Schablonen können die Steinmetze den Sandstein in die richtige Form bringen. Dies geschieht im ersten Schritt mit großen Sägen, den sogenannten Steingattern, die die per LKW aus den Steinbrüchen kommenden Blöcke zurechtschneiden. Mit einer runden Steinsäge erfolgt die weitere Bearbeitung, jeweils mit Wasser gekühlt, damit der Stein beim Sägen nicht beschädigt wird. Um dies sicherzustellen, muss auch die Geschwindigkeit der Säge genau justiert werden. Im Anschluss legen die Steinmetze selbst Hand an: Mit pressluftbetriebenen Werkzeugen geben sie dem Sandstein seine endgültige Form. Große Absauganlagen sorgen dafür, dass der entstehende Steinstaub nicht eingeatmet wird. Zusätzlich tragen die Steinmetze bei der Arbeit einen Mundschutz.

Mitte April beginnen die „Versetzarbeiten“, also der Transport der Stufen nach Frankfurt auf die Baustelle und der Einbau in die Goldene Waage. Diese Arbeiten übernimmt wiederum die Firma Graser aus Bamberg. „Wir freuen uns schon sehr darauf, 2017 die fertiggestellte Goldene Waage zu sehen und einmal die Wendeltreppe hinaufzulaufen“, erklärt Geschäftsführer Dieter Braun zum Abschluss. Gemeinsam mit seinem Team hat er dafür gesorgt, dass künftige Besucher der Goldenen Waage beim Gang durch die Stockwerke stets „im Tritt bleiben“.

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